Albstadt

Wo wir sind, isch oben!

von Schwarzwälder-Bote

Wenn man ein bisschen herumgekommen ist in der Welt, dann darf man das: vergleichen. Und auch mal: loben. Was die Agentur für strategische Markenführung und Kommunikation aus Ludwigsburg – "Château Louis"; originell: der Name der Stadt ins Französische übersetzt – da kreiert hat, ist einfach klasse. Es geht um das neue Marketingkonzept Albstadts.

Alles fing ganz normal an: Eine Internetseite sagte uns: www.albstadt-wills-wissen.de. Dort durften wir dann wettern, mosern, schimpfen nach Herzenslust. Trotzdem hat die große Mehrheit der Albstädter offenbar konstruktiv agiert und sachlich Vorschläge gemacht, auch viel Positives aufgezählt. Ergebnis: 71 Prozent der Albstädter fühlen sich pudelwohl in der Stadt. Wie könnte es auch anders sein?

Wenn man in einem Weiler mit acht Häusern aufgewachsen ist und im Lauf des Lebens in Städten mit 8000, mit 25 000, mit 120 000 und mit gut acht Millionen Menschen gelebt und studiert oder gearbeitet hat, dann kann man vergleichen. Seit ziemlich genau zehn Jahren also lebe ich in Albstadt, das mit 45 000 Einwohnern ein schöner Mittelweg zwischen Straßlücke im Spessart und New York City ist. Hier darf ich mich zur 71-Prozent-Mehrheit zählen, fühle mich pudelwohl und frage mich ernsthaft, warum es Menschen gibt, die in Metropolen wie Stuttgart leben mögen. Voll ist’s. Laut ist’s. Die Luftqualität ist katastrophal. Die meisten Läden gehören den Ketten und sind somit austauschbar, und wenn man in die Kneipe geht, muss man schon verdammtes Glück haben, um Freunde zu treffen.

Zugegeben: Passionierte Kinogänger, Freunde des Theaters, des Kabaretts oder der Oper kommen in größeren Städten eher auf ihre Kosten. Dafür verdienen wir hier in Albstadt gutes Geld bei unseren innovativen Unternehmen, das wir nicht für horrend überteuerte Mieten ausgeben müssen, tanken in der Mittagspause Höhensonne und sind am Abend ratz-fatz in der Natur, um die gute Luft einzuatmen, die im Kessel der Landeshauptstadt und anderer Großstädte fehlt. Das spart Moneten und beschert uns mehr Lebenszeit – beides Rohstoffe, die wir verwenden können, um am Wochenende mal in die große Stadt zu fahren und ins Kino, ins Theater oder in die Oper zu gehen.

Außerdem ist’s ja nicht so, dass wir das hier alles gar nicht hätten, wenngleich wir auf spezielle Filme vielleicht mal ein paar Wochen länger warten und uns rechtzeitig einen Platz im Thalia-Theater sichern müssen, um Stars der Bühne zu erleben.

Täglich genießen wir dafür eine Umgebung, in der andere Urlaub machen, und die Vorzüge der kleineren Stadt: Man kennt sich. Man hilft sich gegenseitig. Man kauft in inhabergeführten Fachgeschäften mit guter Beratung ein, und in der Kneipe trifft man immer einen Freund. Dazu haben wir solide Unternehmen, die kräftig Gewerbesteuern zahlen und lebenslange Arbeitsplätze bieten, eine Hochschule, die in der Bundesliga spielt, genügend Kita-Plätze und Bildungseinrichtungen auf allen Ebenen, in denen es eben nicht so zugeht wie in den Brennpunkt-Schulen der Großstädte.

"Albstadt. Leben. Weit über Normal." Damit trifft "Château Louis" den Nagel auf den Kopf. In Albstadt lebt es sich auf hohem Niveau – nicht nur topografisch gesehen. Und wahrlich nicht der Nähe zu Stuttgart wegen.