Albstadt

Q-Fieber: Erreger nach wie vor unbekannt

von Martin Kistner

Albstadt-Tailfingen - 42 Erkrankungen an Q-Fieber sind mittlerweile in Tailfingen und seiner Umgebung registriert - woher der Erreger kommt, ist nach wie vor nicht bekannt. Das Kreisveterinäramt sucht weiter.

Die Suche ist allerdings mühsam. Anders als eine Grippe ist das Q-Fieber keine Virus-, sondern eine bakterielle Erkrankung, was unter anderem den Vorteil hat, dass man sie direkt mit Antibiotika bekämpfen kann. Diese Bakterien befinden sich in der Atemluft, und in die gelangen sie im Regelfall bei Tiergeburten, vor allem bei - so der Fachausdruck - "Ablammungen": Im Fruchtwasser und der Plazenta wimmelt es gegebenenfalls nur so von ihnen. Den Schafen machen sie wenig aus; sie zeigen gar keine Symptome oder niesen allenfalls ein paarmal herzhaft. Beim Menschen ist das anders; im Falle einer geschwächten Immunabwehr kann der Patient hohes Fieber oder gar eine Lungenentzündung bekommen.

Inkubationszeit beträgt zwei bis drei Wochen

Nun fahndet das Veterinäramt nach der Schafherde, aus der die Bakterien gekommen sein könnten. Die Inkubationszeit des Q-Fiebers beträgt zwei bis drei Wochen; berücksichtigt man, dass die Patienten nicht gleich zum Arzt gegangen sein könnten und dass die Ärzte ein paar Tage gebraucht haben, um festzustellen, dass hier so etwas wie ein kleine Epidemie vorliegt, dann rechnet man ungefähr einen Monat zurück. Das fragliche Lämmchen wird irgendwann Mitte Juli zur Welt gekommen sein, ist also ein potenzielles Osterlamm. Da manche Schäfer gezielt auf diesen Termin hinarbeiten, ist die Zahl der Ablammungen im Hochsommer vergleichsweise hoch, was die Aufgabe nicht eben leichter macht.

Laut Angaben des Kreisveterinäramts gibt es im Zollernalbkreis 70 registrierte Schäfer und noch einmal doppelt so viele kleinere Schafhalter; hinzu kommen die durchziehenden Wanderschäfer. Auch sie sind bekannt: Vor ihrem Aufbruch mussten sie bei ihren heimischen Veterinärämtern Gesundheitszeugnisse hinterlegen und Weg und Ziel ihrer Wanderung nennen; die betroffenen Veterinärämter wurden unterrichtet. An die 50 Schäfer hat das Veterinäramt mittlerweile kontaktiert und macht unverdrossen weiter.

Drei Fragen sind es, die es dem Schäfer stellt: War er im Juli im Albstädter Norden? Haben Mutterschafe gelammt? Und wenn ja, sind diese Mutterschafe geimpft? Wenn die ersten zwei Fragen mit Ja und die dritte mit Nein beantwortet wird, dann hat man einen Kandidaten. Der bekommt Besuch vom Schafherdengesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg, es werden Blutproben genommen, und vielleicht ist man danach klüger.

Angenommen, man ist es – Befund positiv. Was dann? Q-Fieber ist meldepflichtig, eine Tierseuche im Sinne des Gesetzes ist es aber nicht. Deshalb werden auch keine Sperren verfügt. Stattdessen erhält der fragliche Schäfer den Rat, seine Mutterschafe nur im Stall lammen zu lassen und diesen dann sachgerecht zu säubern – die Einstreu muss vernichtet, der Raum desinfiziert werden. Und natürlich wird er auch die Empfehlung erhalten zu impfen. Gern wird er sie möglicherweise nicht hören: Impfen kostet erstens viel Zeit und zweitens Geld – und reich wird man als Schäfer nicht unbedingt.