Albstadt

Mord-Verdächtiger: Festnahme im Zug

von Steffen Maier

Hechingen/Albstadt - Der mutmaßliche Doppelmörder von Albstadt ist gefasst. Jörg K., der im dringenden Verdacht steht, in Ebingen ein Rentner-Ehepaar getötet zu haben, wurde am Mittwochabend in einem Regionalzug am Bahnhof Hechingen festgenommen.

Der Zugriff erfolgte um 23 Uhr am Bahnsteig 1. Beamte der Bundespolizei und mehrere Polizisten des Reviers Hechingen überwältigten Jörg K., nachdem der Zug aus Richtung Tübingen eingerollt war. Jörg K. setzte sich gegen die Festnahme zur Wehr, verletzt wurde niemand.

Augenzeugen berichten, dass die Polizeibeamten aus Hechingen schwerbewaffnet den Zug der Hohenzollerischen Landesbahn erwartet hatten. Den Hinweis, dass sich der wegen der Tötung der beiden Eheleute dringend Tatverdächtige im Zug aufhält, hatten die Beamten von ihren Kollegen der Bundespolizei erhalten. Diese waren im Rahmen der umfangreichen Fahndung in dem Zug eingesetzt und hatten den verdächtigen Jörg K. während der Fahrt erkannt. Weil K. als gefährlich galt, gingen die Bundespolizisten sensibel vor und warteten die Verstärkung durch die Hechinger Kollegen ab, ehe die Festnahme erfolgte. Die Fahrgäste des Zugs wurden aufgefordert, den Zug zu verlassen.

Der 46-Jährige K. wurde am Mittwochabend zunächst in einer Zelle des Polizeireviers Hechingen festgesetzt. Am gestrigen Donnerstagnachmittag wurde er dem Haftrichter am Amtsgericht Hechingen vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft an.

Mit der Festnahme Ks. am Mittwochabend geht eine seit knapp einer Woche andauernde und vor allem für die Bewohner Albstadts nervenaufreibende Zeit zuende. Nach Bekanntwerden der Nachricht von der Festnahme war in Albstadt große Erleichterung spürbar.

Nach dem 46-jährigen Jörg K. hatten die Ermittler seit Freitag vergangener Woche gefahndet. Er steht im dringenden Verdacht, am Wochenende 21. bis 24. März einen 81 Jahre alten Mann und dessen 77-jährige Ehefrau in deren Haus in der Beethovenstraße in Ebingen getötet zu haben.

Nach derzeitigen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft hielt sich K. von Freitagabend bis Sonntag, möglicherweise auch bis Montag, im Haus des Ehepaars auf. Wenigstens drei Mal verließ der Täter das Haus, um mit der Bankkarte seiner Opfer Geld abzuheben. Die Eheleute erlebten, seitdem ihr späterer Mörder im Haus war, von Beginn ein Martyrium. Gestorben sind sie am Samstag oder am Sonntag. Die Ermittler sind sich sicher, dass das grausame Verbrechen, das in der Region für Aufsehen und Entsetzen gesorgt hatte, von einem Einzeltäter verübt wurde.

Nach Bekanntwerden der Tat am frühen Montagabend, 24. März, hatte die Polizei die Sonderkommission "Kreuzbühl" gebildet, der zuletzt 80 Beamte angehörten. Zunächst hatten die Ermittler aus Videoaufzeichnungen Bilder eines Mannes veröffentlicht, der – vermummt mit einer blumengemusterten Decke und einem Schal – bei Filialen der Sparkasse Geld vom Konto der Opfer abgehoben hatte. Durch diese Bilder und den Hinweis eines Zeugen, der K. darauf an der "Gesamterscheinung" erkannt haben wollte, kam man auf die Spur von Jörg K.. Ermittler durchsuchten seit dem vergangenen Sonntag seine Wohnung in der Baschianstraße in Ebingen und veröffentlichten zugleich erneut Bilder – diese zeigten den Verdächtigen an einem Geldautomaten der Volksbank Ebingen.

Die Beamten der Soko "Kreuzbühl" arbeiteten während der vergangenen Tage intensiv und sehr zeitaufwändig bis zu 18 Stunden am Tag. Unterstützt wurden sie durch Spezialisten des Landeskriminalamts, Beamte des Polizeipräsidiums Einsatz, des temporären Sonderkommission-Beratungsteams der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg und durch Fahndungskräfte der Kriminalpolizeidirektionen Stuttgart und Reutlingen

Vor allem in Albstadt war eine enorme Polizeipräsenz zu spüren. Die Gerüchteküche brodelte – immer wieder gab es Hinweise auf den vermeintlichen Aufenthaltsort von Jörg K.. Zuletzt war auch im Großraum Stuttgart nach ihm gefahndet worden. Genau von dort war er nun mit dem Zug zurück in seine Heimat unterwegs.

Die Ermittlungen der Sonderkommission dauern derweil unvermindert an. Die Personalstärke – 80 Mann – bleibe vorerst bestehen, sagte ein Sprecher. Nach der Festnahme Ks. geht es nun darum, ob sich in Vernehmungen und bei der Auswertung der zahlreichen Spuren der dringende Verdacht gegen ihn erhärtet, ob er also der Tötung der beiden Eheleute überführt werden kann. 

Kommentar: Aufatmen

Karina Eyrich 

"Sie haben ihn!" Das ist der Satz, der gestern am häufigsten gefallen sein dürfte auf der Zollernalb, wo der mutmaßliche Mörder eines Ehepaares nach 13 Tagen öffentlicher Fahndung geschnappt worden ist. Die Erleichterung, die vor allem in Albstadt herrscht, wo der Mann lebte und sich nach der Tat noch aufgehalten hatte, ist mit Händen zu greifen. Das gilt auch für die Erleichterung der Polizei, die seit zwei Wochen zum Stadtbild gehört.

Durch massive sichtbare Präsenz, offensichtlich gut koordinierte Zusammenarbeit und Einsätze mit hoher Mannstärke ist es der Soko "Kreuzbühl", der Schutzpolizei vor Ort und der Bereitschaftspolizei nicht nur gelungen, des Gesuchten habhaft zu werden – sie haben damit auch der besorgten Bevölkerung gezeigt, dass sie da sind. Den Erfolg ihrer Arbeit und das "Dankeschön" dafür haben sie mehr als verdient.