Albstadt

Gentlemen-Rocker mit Ladypower

von Karina Eyrich

Zugegeben: An Instrumenten und Mikrofon sind die Sechs um Welten besser als im Erfinden von Namen. So gehen Martin Maute, Christian Preiß, Verena Rissel, Claudio Sisto, Andreas Wütz und Jörg Herre als "#dieBand" an den Start. Und für alle Musikfans, die es noch nicht wissen: Das ist mal eine richtig gute Nachricht.

Albstadt. Manchmal ist einfach der Wurm drin: Da ging vor einigen Jahren eine Band namens "Rack to the Boots" an den Start, die schon beim ersten großen Auftritt richtig was gerissen hat – beim Konzert zum "Auschmettinger Sommer" vor der Raichberghalle waren die Fans außer Rand und Band und forderten Zugaben ohne Ende.

Und dann sind die Akteure irgendwie im Probenraum versackt und nicht mehr richtig rausgekommen. Was wahrlich nicht an der Qualität lag. Dann springt auch noch der Drummer ab, weil ihm die Zeit fehlt. Irgendwie ist nie mehr recht etwas daraus geworden.

Das Schicksal aber wollte es, dass Keyboarder Martin Maute einen Nachbarn hatte namens Claudio Sisto, der nicht nur aus einer Musikerdynastie kommt, sondern auch richtig gut mit den Drum­sticks umzugehen weiß und zudem gerade anderer Verpflichtungen ledig geworden war. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft: Eine neue Band war geboren.

Doch schon tauchte das nächste Problem auf: Auch die Sängerin des musikalischen "Schuhregals" (Boots-Rack!) war – schuld war ihr Studium – nicht mehr verfügbar. Um wenigstens proben zu können, fragten Andreas Wütz, Sänger und Gitarrist, Bassist Christian Preiß, Leadgitarrist Jörg Herre, Claudio Sisto und Martin Maute eine, die definitiv singen kann: Verena Rissel – eine Ausnahmeerscheinung als Frontfrau von "One Night Jam" und "The Dewy Lillies" ebenso wie als Solistin im Gospelchor "Voices Hearts and Souls" – wollte den Jungs eigentlich nur helfen, ihr ganzes Repertoire proben zu können – und entpuppte sich als die denkbar beste Besetzung fürs vorderste Mikro. Die Begeisterung der Musiker beruhte auf Gegenseitigkeit, denn auch Verena Rissel war spontan angetan von den Herren unterschiedlichen Alters, freute sich über den "respektvollen und höflichen" Umgang, den Probenfleiß und das Können der fünf Männer.

Die Sechs haben sich gesucht und gefunden

Claudio Sisto, dem zweiten Neuzugang, hat es – neben allem anderen – auch die Arbeitsatmosphäre angetan: Ein gepflegter Probenraum ist zwar nicht das A und O, war aber definitiv eine einladende Visitenkarte. Dass Können, musikalische Vorlieben und die Chemie der Akteure außerdem zusammenpassten, tat ein Übriges.

Kurz und gut: Da haben sich Sechs gesucht und gefunden – und wollen am Samstag, 6. Januar, im Brauhaus Zollernalb gegen die Winterkälte und den Feiertagsspeck anrocken. Bei Probenraum-Gigs wie zuvor soll es diesmal nicht bleiben, wenngleich "#dieBand" sich bewusst sind, dass es in Albstadt nicht einfach ist, geeignete Auftrittsmöglichkeiten zu finden. "Für Bands, die nicht mit einem Management kooperieren, gibt es kaum eine Plattform", sagt Martin Maute. "Da würde man sich schon ein ähnliches Engagement wie für die großen Sportveranstaltungen wünschen." Der Aufwand, etwa für Sicherheitspersonal, sei heute höher als früher – da sei es schwer, Veranstalter zu finden, wissen die Sechs aus Erfahrung. Auch an Locations mangele es deutlich: "Entweder sind sie riesig – oder viel zu klein", sagt Verena Rissel mit Blick auf die Diskrepanz zwischen Kneipe und Ebinger Festhalle.

Trotzdem will "#dieBand" – wer auf den Namen gekommen ist, geben die Sechs ungern preis – ihren ersten Auftritt in Albstadt absolvieren. Schon weil die Akteure, größtenteils Albstädter, dort viele Freunde und die Braukessel im Brauhaus Zollernalb als originelle Kulisse identifiziert haben. Was erwartet die Musikfans? Es ist der Mix aus Lieblings-Rock- und Pop-Hits, vorwiegend aus den 1980er-Jahren, den die Sechs nicht einfach nur covern, sondern dem sie mit Können, viel Spaß und Experimentierfreude ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken, so dass man die Originale nicht nur nicht vermisst, sondern sich gelegentlich wünscht, statt ihrer die Coverversion im Netz oder auf CD zu finden.

Einzig in puncto Namensfindung – dessen ist sich das Sextett wohl bewusst – ist noch Luft nach oben, was die Originalität angeht. Doch wer den Höhepunkt des jüngsten "Auschmettinger Sommers" noch gut in Erinnerung, je Verena Rissel live erlebt und eine Ahnung von der Qualität aus dem Hause Sisto hat, dem kann dieser Aspekt letztlich – mal ehrlich – schnurzpiepegal sein.

Weitere Informationen: www.dieband-albstadt.de