Albstadt

"Gemeinschaft ist dort viel wichtiger"

von Tobias Göttling

Der junge Albstädter Dominik Schlegel wird in Kürze in das ostafrikanische Land Malawi aufbrechen, um dort als Entwicklungshelfer zu arbeiten.

Albstadt. Es ist nicht seine erste Reise nach Malawi – schon einmal, vor vier Jahren hatte er nach dem Ende seiner Ausbildung zum Anlagenmechaniker die Gelegenheit genutzt, einen in dem Kleinstaat im Südosten Afrikas tätigen Missionar zu besuchen, Land und Leute kennenzulernen und, so weit möglich, an ihrem Alltag teilzunehmen. Er war beeindruckt – von den Hochgebirgslandschaften ebenso wie vom Malawisee, seinen Stränden und dem Nationalpark, der seinen Namen trägt und für die artenreiche Fauna bekannt ist. Vor allem aber von den Menschen: "Ihre Freundlichkeit hat mich fasziniert und begeistert."

Nach seiner Rückkehr drückte Dominik Schlegel wieder die Schulbank – in Balingen erwarb er die Fachhochschulreife. Doch seine afrikanischen Eindrücke ließen ihn nicht mehr los. Der junge Mann, der in der evangelisch-methodistischen Kirche in Albstadt verwurzelt ist, nahm ein Studium an der Interkulturellen Theologischen Akademie in Bad Liebenzell auf, zu dessen Lehrinhalten auch ein praktisches Projekt gehört. In seinem Fall – wen wundert es? – ist dieses Projekt ein Auslandseinsatz in Malawi. Er will seinen Beitrag im Kampf gegen die Armut leisten: Auf seiner ersten Reise hat er Menschen kennengelernt, die von 40 Euro im Monat und fast ausschließlich von Maisbrei aus eigenem Anbau leben. "Sie haben oft kein anderes wirtschaftliches Standbein außer der Feldarbeit – fällt die Ernte schlecht aus, müssen sie hungern."

Beim Bau einer Schule wird Hilfe gebraucht

Am 24. September ist es so weit. Dominik Schlegel Bestimmungs- und Wohnort heißt Zalewa und liegt im Süden des Landes. Er arbeitet dort für eine christlichen Organisation, die sich besonders um Schulbildung für bedürftige Kinder kümmert und ihnen so die Chance auf eine berufliche Existenz jenseits der Landwirtschaft eröffnen will. "Ich will herauszufinden, wie sinnvoll die Menschen in Malawi unsere Hilfe finden und was wir besser machen können." Bisher gibt es vor Ort lediglich eine weiterführende Schule, eine Lehrwerkstatt und eine Kirche; jetzt soll noch eine Grundschule hinzukommen, primär für Kinder, deren Eltern sich die staatliche Schule nicht leisten können. Dominik Schlegel wird an diesem Projekt ebenso beteiligt sein wie an der Planung einer Wasserleitung, die Wasser von einem nahegelegenen Fluss zu den Feldern und zu den Toiletten leitet. Seine technischen Fähigkeiten und Kenntnisse dürften ihm dabei von großem Nutzen sein.

Darüber will Schlegel mit dem Pastor und Sozialarbeiter zusammenarbeiten und sich im wöchentlichen Gottesdienst einbringen. "Zuerst geht es einmal darum, in die Kultur hineinzufinden und zu verstehen, wie die Menschen ihr Christsein leben." Die Kultur der Afrikaner, so Schlegel, sei sehr verschieden von der deutschen: "Dort spielt Gemeinschaft eine viel größere Rolle. Nachbarn und Verwandte teilen fast alles miteinander." Allerdings sei es deshalb auch sehr schwer für den Einzelnen, sich etwas anzusparen. Das wichtigste Kapital in der ärmeren Bevölkerung seien ohnehin nicht Scheine oder Münzen, sondern Beziehungen: "Geld kann einem genommen werden, Wohlstand wird sofort mit der Familie geteilt – aber gute Momente und echte Freundschaft kann einem niemand wegnehmen."

Vorerst will Dominik Schlegel für ein knappes Jahr in Malawi sein – aber er kann es sich sehr gut vorstellen, für längere Zeit in diesem Land zu leben und zu arbeiten. Vielleicht sogar für immer? Das lässt er auf sich zukommen. "Ich warte ab, was die Zukunft bringt und wohin Gott mich führt."