Albstadt

"Für mich ist der Sport ein Traum"

von Julia Stapel

Die elfjährige Hannah Wagner hat mit ihrer Schäferhündin Gucci die Württembergische Jugend- und Juniorenmeisterschaft für Gebrauchshunde gewonnen. Geprüft wurde im Level drei des Bereichs Fährte, Unterordnung und Schutzdienst.

Straßberg. Die schwarze Schäferhündin sieht friedlich aus neben der elfjährigen Hannah – aber das geht auch anders. Und zwar wenn Gucci auf Kommando, wie bei den Württembergischen Jugend- und Juniorenmeisterschaften, in den geschützten Arm eines Helfers beißen soll. Dabei gehorcht die große schwarze Hündin dem zarten Mädchen aufs Wort.

Hannah Wagner ist mit Hunden aufgewachsen, und ihre Eltern sind ihr Vorbild. Sie betreiben ebenfalls Gebrauchshundesport und züchten seit Frühjahr 2018 Rottweiler. Die Welpen tragen den Zwingernamen "Von der Eselsmühle". Familie Wagner wohnt nämlich etwas abgelegen von Straßberg beim gleichnamigen Gebäude.

"Vorurteile gegen die Rasse Rottweiler und den Sport gibt es viele", erzählt Hannahs Mutter Silvija Wagner. Die Familie ist aus Tailfingen zur Eselsmühle gezogen, da sie dort niemanden stört und die Tiere den Platz brauchen.

Hannah hat am Level drei der IPG-Meisterschaft für Junioren in den Prüfungen Fährte, Unterordnung und Schutzdienst teilgenommen. In jeder Sparte sind 100 Punkte zu erreichen, und pro Prüfung ist es Pflicht, mindestens 70 Punkte zu holen. Wenn in einer Disziplin weniger erzielt wird, ist man ­disqualifiziert.

Bei der Fährtenarbeit soll der Hund eine etwa 800 Schritt lange Fährte verfolgen und dabei drei Gegenstände erkennen und anzeigen. Dabei soll sich der Hund vor den Gegenstand hinlegen, bis der Hundeführer, der an der zehn Meter langen Schleppleine folgt, das Kommando zum Weitermachen gibt.

Die zweite Prüfung ist die Unterordnung. Dort stehen Aufgaben aus der Bewegung an wie freies Folgen, Sitz-, Platz-, Steh- sowie Apportierübungen. Der Hund soll zeigen, dass er freudig, exakt, schnell und aufmerksam die Kommandos des Hundeführers umsetzt.

Die dritte und letzte Aufgabe, die "Königsdisziplin", ist der Schutzdienst. "Diese Sparte wird oft von Laien missverstanden", sagt Silvija Wagner. Dabei werden verschiedene Triebe des Hundes ausgenutzt und gezielt eingesetzt, wie Gehorsam, Nervenstärke und Selbstbeherrschung in Belastungssituationen.

Der Ärmel des Helfers sind Beute für den Hund

Zudem ist der Beutetrieb in dieser Prüfung besonders wichtig. Der Hund sieht im Ärmel des Helfers eine Beute, die sich bewegt und die er erbeuten möchte. "Für den Hund ist es ein Grundinstinkt – wie einen Ball zu schnappen – es steht nicht das Beißen eines Menschen im Vordergrund", erklärt Silvija Wagner. Ihr Hund sei nach der Prüfung stolz auf seine Beute. Nach der "Arbeit" könne man ihn ohne Gefahr streicheln, sagt sie.

Ist es vertretbar, einen solchen anspruchsvollen Sport von einem jungen zierlichen Mädchen ausüben zu lassen? Hannah sagt ja. "Ich hab’ Spaß an den Prüfungen und mit meinem Hund – für mich ist der Sport ein Traum." Die Elfjährige trainiert dreimal die Woche immer mit ihrer Mutter zusammen. "Das Problem ist immer am Ende der Leine", betont Wagner. Deshalb sei es absolut möglich, ihre Tochter diesen Sport machen zu lassen, da ihre Hunde keinerlei Gefahr darstellten.