Albstadt

Eine Nacht mit Messi und Neymar

von Karina Eyrich

Cristiano Ronaldo und Neymar, Robert Lewandowski und Lionel Messi haben kürzlich in Albstadt gekickt. Im Kino. Und zwar auf Kommando junger Albstädter. Was die junge Kulturwoche #kulturundso doch alles möglich macht.

Albstadt-Ebingen. So schnell, wie junge Leute in Albstadt mit den Fingern sind, können in Würde ergraute Reporterinnen des Schwarzwälder Boten gar nicht gucken. In Windeseile stellen die Teilnehmer der Fifa-Gaming-Night in der Reihe #kulturundso die Bedingungen für die digitalen Fußballspiele ein, die sie gleich gegen andere Spieler führen. 16 Teams à zwei Spieler sind im Capitol Filmpalast versammelt, um Fifa 19, das neue Videospiel von EA Sports, zu spielen – eines der beliebtesten Spiele bei Jugendlichen, weiß Patrick Zeisl von der Stadtbücherei Albstadt, der dort Fachmann für Konsolenspiele ist und sich richtig gut auskennt.

Das trifft auch auf die Teilnehmer zu. Nur wenige Sekunden brauchen sie, um sich zu entscheiden, mit welcher Mannschaft sie auf dem Platz stehen werden, welche Spieler in der Startaufstellung sind und ob auf Profi-, Halbprofi-, Anfänger-, Amateur- oder gar auf Legenden- oder Weltklasse-Niveau gekickt wird.

Dass Stars wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, Neymar und Robert Lewandowski auch auf der Kinoleinwand – dem vielleicht größten Display der Welt – besonders gerne in die Startelf gestellt werden: selbstredend. Dass die Konsolenspieler besonders gerne mit Clubs wie dem FC Bayern, der FC Barcelona und Manchester City antreten: auch klar. Die Aussagen all der jungen Teilnehmer – durchweg männlichen Geschlechts – darüber, wie viel Einfluss der Konsolenspieler tatsächlich auf das Spiel hat, decken sich freilich nicht ganz. "Die Spielerqualitäten sind eins zu eins nachempfunden", sagt einer. Soll heißen: Auch bei Fifa 19 dribbelt Messi allen davon, auch bei Fifa 19 schießt Arjen Robben besonders gezielt, ist und bleibt Thomas Müller besonders unberechenbar und Mario Mandžukicć ein Kopfballungeheuer. Ihre menschlichen Vorbilder, so ist zu erfahren, seien tatsächlich mit Sensoren ausgestattet, um das Konsolenspiel so real wie möglich zu machen.

Dennoch: Laufrichtung, Passgeschwindigkeit und -stärke – all das können die jungen Albstädter vom Kinosessel aus noch gut beeinflussen, und so bleibt festzuhalten, dass ein guter Fifa-19-Spieler, der mit einer schlechten Mannschaft antritt, gegen einen schlechten Fifa-19-Spieler, der ein gutes Team gewählt hat, am Ende immer die Oberhand behalten sollte, wie Patrick Zeisl kommentiert.

Jeweils fünf Minuten dauert eine Halbzeit und wohl nur die Technik-Nerds unter den Studenten der Hochschule Albstadt-Sigmaringen kapieren wirklich, wie es sein kann, dass die Kommentatoren halbwegs treffend auf das eingehen, was die Konsolenspieler gerade in Auftrag gegeben haben.

Alles geht irrsinnig schnell, und da verwundert es doch, dass es Menschen gibt, die professionell solche Spiele spielen, weil sie dafür von echten Clubs angeheuert worden sind. Wenn es mit rechten Dingen zugeht, müssten diese E-Sportler die reinsten Nervenbündel sein.

In der Fifa-Gaming-Night allerdings geht es ganz gemütlich und sehr entspannt zu: Dominique Muller, der Chef am Kino-Tresen, hat Technik und Popcorn-Maschine bestens im Griff, Patrick Zeisl behält den Überblick über die Spielstände. Auf seinem Zettel stehen am Ende Felix und Sebastian Roscher als Drittplatzierte, Felix Krug und Björn Bosch auf Platz zwei sowie Gabrijel und Rade Demkovic als Sieger des ungewöhnlichen Events. Mit Pokalen, Urkunden und Kino-Gutscheinen ausgestattet werden sie am Ende in die kurze Nacht hinaus entlassen, in der sie den Fußball-Göttern richtig Beine gemacht haben.  Für alle, die für die nächste Fifa-Gaming-Night üben wollen, hat Patrick Zeisl jede Menge Spiele zum Ausleihen in der Stadtbücherei.