Albstadt

Ein Quäntchen Glück war mit im Spiel

von Karina Eyrich

Wer die Premiere vor einem Jahr erlebt hat, wird sich freuen – und doch Überraschungen erleben: "#die Band" steht mit einem Neuzugang und rockigerem Repertoire am Freitag, 4. Januar, ab 21 Uhr auf der Bühne im Brauhaus Zollernalb.

Albstadt. Der "kleinste Probenraum der Welt", wie die Sechs ihr rot verhangenes Keller-Kabäuschen nennen, bebt: "#dieBand" ist wieder voll besetzt. Weil Christian Preiß, der Alterspräsident der Albstädter Formation, in den Musiker-Ruhestand gegangen ist, mussten sich die vier Männer um Gesangswunder Verena Rissel jemand Neuen suchen, der für sie am Bass "die Töne aus dem Keller holt", wie es auf der ebenfalls runderneuerten Internetseite der Band heißt.

Fündig geworden sind Sängerin Verena Rissel, die Background-Sänger Andy Wütz an der Gitarre und Martin Maute am Klavier, Leadgitarrist Jörg Herre und Schlagzeuger Claudio Sisto in Hechingen: Schon vor zwei oder drei Jahren, so erinnert sich Bassist Andi Jäckle, habe er bei einer Session Mitglieder der Vorgängerband "Rack to the Boots" kennengelernt, mit ihnen Visitenkarten ausgetauscht – "und im September klingelte plötzlich das Telefon: ›Wir suchen einen Bassisten!‹" Ein Quäntchen Glück war freilich mit im Spiel, denn Martin Maute hatte Jäckles Karte "irgendwo" aufgehoben, musste sie nach einem zwischenzeitlichen Umzug erst einmal suchen und fand sie erst nach anderthalb Tagen, wie er berichtet.

Seit September probt das Sextett nun zusammen und freut sich auf einen ersten gemeinsamen Auftritt am Freitag, 4. Januar, ab 21 Uhr im Brauhaus Zollernalb, wo "#dieBand" vor einem Jahr Premiere gefeiert hat. Warum trotz des umjubelten Konzerts vor restlos ausverkauftem Haus keine weiteren Auftritte folgten? Es sei einfach zu viel passiert indes, kommentieren Verena Rissel und Jörg Herre: Der Wechsel am Bass und eine signifikante Umstellung des Sets – rund 40 Prozent der Songs, darunter einige Balladen, haben "#dieBand" aus ihrem Repertoire verbannt und rockigere Stücke eingebaut – hätten Priorität gehabt. "Und dann hat jeder von uns ja auch noch einen Job und eine Familie."

Mit Andi Jäckle startet "#dieBand" nun also neu durch. Der Hechinger hat bei zahlreichen CD-Produktionen namhafter Musiker im süddeutschen Raum mitgewirkt und viele Jahre in der Band "Odalys" gespielt, der er schon ein bisschen nachtrauert: Zwölf Jahre lang stand die für Afro-Latin-Pop, Salsa und Reggae und hatte sich damit eine Nische in der Musiklandschaft erobert.

"Die Jungs können das viel besser"

Außerdem singt Andi Jäckle: im A-Cappella-Chor "Hechsingers". Läge es da nicht nahe, auch für "#dieBand" mal zum Mikrofon zu greifen? "Die Jungs können das viel besser", sagt Jäckle bescheiden mit Blick auf Andy Wütz und Martin Maute. "Außerdem bin ich erst mal mit Bassspielen beschäftigt: 40 neue Songs sind eine Menge, und ein zweistimmiger Background-Gesang ist ja schon fett!"

Am Instrument ist Jäckle ein echter Mr. Slowhand mit Pokerface, zupft mit schlanken Fingern gefühlvoll seine Saiten und weiß nur bei einem Lied "nie, was ich spielen soll": "Willkommen im Club", kommentiert Jörg Herre vergnügt und verschmitzt: "Andi, das ist wie Multiple Choice!" Dafür sitzt die Nummer – "Bang Bang" von Jessie J. – doch schon richtig gut, auch wenn Martin Maute sich beim schnellen Sprechgesang fast einen Knoten in die Zunge wurstelt und das exakte Schlagzeugspiel von Claudio Sisto nicht die kleinste Ungenauigkeit zulässt.

Humorvoll geht es nach wie vor bei den Proben von "#dieBand" zu. Es wird viel gelacht, der Spaß spielt mit. Zeit dafür bleibt reichlich, während Jäckle am Laptop abmischt und Maute die technischen Raffinessen seines Keyboards ausreizt, während die anderen sich über ihn und die seltsamen Töne lustig machen, die aus dem E-Piano kommen.

Da ist der stimmgewaltige Einstieg Verena Rissels in den nächsten Song doch schon etwas Anderes: "Lady Marmalade" ist die perfekte Spielwiese für die erotische Stimme der Balingerin, die zwischendurch sogar rappt. Sisto lässt seiner Armeskraft an den Drums freien Lauf, obwohl "Control of Power" auf seinem T-Shirt steht, und Andy Wütz singt brav Background bei der Frage: "Voulez vous coucher avec moi" – möchtest Du mit mir kuscheln?. Obwohl er sie vielleicht lieber beantworten möchte.

Freuen dürfen sich Fans und solche, die es werden wollen, außerdem auf neue Songs im Repertoire, darunter Knaller wie "Dirty Diana" von Michael Jackson, "Leuchtturm" von Peter Maffay und mehrere Jessie-J.-Stücke. Nach dem ersten Auftritt in neuer Formation wollen "#dieBand" dann übrigens öfters als bisher auf der Bühne stehen und winken gleich mal mit dem Scheunentor Richtung Balingen: "Ein Auftritt beim Kulturfestival wäre schon genial!" Auch dessen Organisatoren sind am 4. Januar im Brauhaus Zollernalb willkommen.