Albstadt

"Diese Fasern sind ziemlich fies"

von Karina Eyrich

Ganz besonders sauber arbeiten muss die Fachfirma, die derzeit die Decken im Gymnasium Ebingen saniert. Wenn die Schüler aus den Ferien zurückkommen, werden sie erst einmal unter "Molton" arbeiten.

Albstadt-Ebingen. So kann’s gehen: Eigentlich wollte die Stadt ja nur die Deckenbeleuchtung austauschen lassen, um künftig Strom zu sparen im Gymnasium Ebingen, nicht zuletzt aus Klimaschutzgründen. Doch unverhofft kommt oft: Beim Entfernen der alten Leuchtstoffröhren-Lampen mussten die Handwerker die Decke öffnen, und zum Vorschein kam das Material aus künstlicher Mineralfaser (KMF), mit dem beim Bau der Schule vor mehr als vier Jahrzehnten gedämmt worden war.

Um überall die neuen, mit LED-Leuchtmitteln bestückten Lampen anbringen zu können, müssen die KMF also nun entfernt werden. Denn die sind "ziemlich fies", wie Thomas Schatz von der Berghof Analytik und Umweltengineering GmbH in Tübingen konstatiert. Die feinen Bestandteile könnten sich in der Lunge festsetzen – "und das kann irgendwann zum Krebs führen".

Also muss die Fachfirma "B & S Umwelttechnik", die nun alle KMF austauscht und für diese Aufgabe speziell zertifiziert ist, ganz besonders vorsichtig ans Werk gehen. An den Zugängen zu sämtlichen Räumen, in denen sie gerade tätig ist, stehen Schleusen. Die Mitarbeiter tragen Schutzkleidung, packen die KMF in spezielle Säcke, die dann erst verschlossen, danach gereinigt werden, ehe sie die Außentür der Schleusen passieren und abtransportiert werden.

8000 Quadratmeter Decke – da ist viel zu tun

Ist alles Material von 8000 Quadratmetern Decke – rund zwei Tonnen insgesamt – aus dem Raum entfernt, wird er feingereinigt, und erst wenn die Fachleute nach einer Luftmessung grünes Licht geben können, wird die Schleuse wieder entfernt. 70 000 Euro kostet die Austauschaktion, aber einen Weg daran vorbei gebe es eben nicht, betont Sigurd Kästle, der Leiter der Abteilung technisches Gebäudemanagement im Amt für Bauen und Service der Stadt Albstadt. Schließlich gehe es um die Gesundheit aller, die in der Schule lernen und arbeiten.

Ein weiteres Problem stellt sich freilich doch noch: Die KMF entfernen und überall neue Decken samt neuer Beleuchtung einbauen – selbst bei zupackenden Arbeitern wäre das in den sechs Wochen Sommerferien nicht zu schaffen. Um "die Akustik in den Griff zu kriegen", wie Kästle sagt, musste also eine provisorische Lösung her, bis die neuen Decken eingebaut werden können.

Eine gute Idee dafür hatte Daniel Kroner von der Abteilung für technisches Gebäudemanagement: "Bühnenmolton". Sieht aus wie ganz normaler Stoff, ist superweich, höchst preiswert und schluckt den Schall.

Wenn die Schüler und Lehrer, der Hausmeister und das Reinigungspersonal aus den Ferien zurückkommen, werden sie also weiche weiße Decken aus Stoff vorfinden, auf denen die Lampen montiert sind. Erst nach und nach werden die abgehängten Decken dann erneuert.

Wenigstens für die neuen Lampen bekommt die Stadt auch einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent der Kosten vom Bund.