Aichhalden

Kirchenchor feiert mit vielen Gästen

von Antonie Anton

100 Jahre evangelischer Kirchenchor ­– ein würdiger Anlass, um das Jubiläum mit einem festlichen Gottesdienst und anschließendem Festakt zu zelebrieren.

Aichhalden-Rötenberg. Zur zentralen Feier waren neben den Gemeindemitgliedern als Ehrengäste auch Bürgermeister Michael Lehrer, Dekan Ulrich Vallon aus Sulz, Bezirkskantorin Judith Kilsbach und Kirchenmusikdirektor i.R. Reinhard Bauer sowie Vertreter der beiden thüringischen Partnergemeinden Riethnordhausen und Alperstedt mit Pfarrer Matthias Polney geladen. Für die musikalische Gestaltung mit der Kantate "Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut im Namen des Herrn" von Dietrich Buxtehude hatte der Kirchenchor ein Ensemble der "Capella Vivace" unter der Leitung von Heidi Augstein engagiert. Das Orgelspiel übernahm Bezirkskantorin Kilsbach.

Unter der souveränen Leitung von Ute Mutschler sang der stattliche Kirchenchor mit rund 20 Mitgliedern abschnittweise die Kantate des Lübecker Barockkomponisten Buxtehude. Nach sanftem Vorspiel der Streicher setzten die Sänger mit lebhaftem Rhythmus vehement ein. Beim Vers "Und danket" erfolgte mit kanonischen Einsätzen der Frauen und Männer eine Fuge.

Pfarrer Johannes Götschke begrüßte die Sänger, Ehrengäste und Gäste aus den Partnergemeinden. Zum großen Jubiläumsfest passe der Wochenspruch "Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder". Die ganze Gemeinde stimmte nach einem festlichen Vorspiel der Organistin in das Loblied "Großer Gott" ein. Herrlicher Wohlklang erfüllte die Kirche auch bei den folgenden Teilen der Kantate und Götschke erfreute den Chor zum Schluss, dass er ihn noch nie so schön singen gehört habe.

Mit weiteren Liedern wurde die Gemeinde in die liturgische Feier einbezogen. In seiner Predigt stellte Götschke den Kantatentitel als Motto über den Festtag. In Wort und Bild stellte er die Persönlichkeit des barocken Komponisten Buxtehude vor, der aus Dänemark stammte. Der Prediger versetzte die Zuhörer in die Hansestadt Lübeck, wo die reichen Kaufleute in den geistlichen Abendmusiken nach ihren erfolgreichen Börsengeschäften auch dem Geber ihres Wohlstands dankten. Das Ziel des Komponisten sei nicht gewesen, große Musik zu machen, sondern die Herzen der Zuhörer zu erreichen. In Wort und Musik habe er den Menschen die Botschaft beinahe eingehämmert, alle Handlungen im Namen Gottes zu verrichten. Diese Aufforderung gelte noch heute, zumal Singen den Menschen fröhlich und gesund mache.

Die Worte "Habe deine Lust am Herrn" wurden solistisch vorgetragen. In den Fürbitten gedachte Götschke vor allem der Menschen, die anderen mit ihrer Musik Freude bereiten. Nach dem Segen sprach Chormitglied Ingrid Wössner ein Dankwort an die Dirigentin und überreichte ihr Blumen mit den Worten: "Auf vieles können wir verzichten, aber nicht auf dich."

Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus wurden die Gäste vom Chor mit einem Loblied auf die Musik begrüßt. Die Vereinsgeschichte, übersichtlich dargestellt in einer umfangreichen Fotoausstellung, fand großes Interesse. Den Reigen der Grußworte führte Bürgermeister Michael Lehrer an. Er gratulierte den Mitgliedern des Kirchenchors namens des Gemeinderats und der bürgerlichen Gemeinde herzlich. Der Kirchenchor sei der beste Beweis dafür, dass gemeinschaftliches Singen längst nicht aus der Mode gekommen sei. Daher rief er den Chor auf, weiterzumachen, was den Gottesdienstbesuchern, aber auch den Sängern selbst zugute komme, wie er anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Ausschüttung des Glückscocktails aus Serotonin, Endorphinen und Oxytocin schmunzelnd belegte.

Blick in die Geschichte des Chorgesangs

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich Menschen zusammengefunden, die den Gottesdiensten über das normale Liedersingen hinaus eine feierlichere Gestaltung geben wollten. Zusammen mit dem Posaunenchor bildete der Kirchenchor seither das Grundgerüst der kirchenmusikalischen Umrahmung. Als Jubiläumsgabe überreichte das Gemeindeoberhaupt einen Geldbetrag und für die Geselligkeit eine Eistorte.

Dekan Ulrich Vallon schloss sich den Gedanken mit dem ehrfurchtsvollen Rückblick auf die vergangenen 100 Jahre an, in denen mehr als drei Generationen im Chor aktiv waren. In seine Glückwünsche schloss er die Gründer ein. Die Wurzel des Chorsingens fand er in der ersten Chronik, wo König David die Leviten beauftragte, Sänger zu berufen. 2000 Jahre später sei 1817 in Württemberg der erste Kirchenchor gegründet worden. In Sulz habe Christine Bauder mit ihrer Stiftung die Kantorei ins Leben gerufen, um den Gottesdienst attraktiver zu machen und die Teilnahme aller zu fördern. In der heutigen Zeit funktioniere das Einüben des Singens nicht mehr so gut wie zur Zeit Friedrich Silchers. Umso mehr richtete der Dekan seinen Dank an alle, die sich mit großem ehrenamtlichem Engagement für den Gesang einsetzen. Für die Zukunft äußerte er den Wunsch, dass genügend Nachwuchs gefunden werde und überreichte als Gastgeschenk einen Gutschein.

Als langjähriger Begleiter des Chores ergriff Kirchenmusikdirektor Reinhard Bauer das Wort. Er erinnerte sich an viele schöne Konzerte, so an das Konzert zum 60. Chorjubiläum. Er sei stolz, dass er Chorleiterin Ute Mutschler ausbilden durfte, der er ein großes Lob für die Aufführung der Kantate aussprach.

Gleich zwei Urkunden überreichte Bezirkskantorin Judith Kilsbach: eine Urkunde des Verbandes evangelischer Kirchenmusik in Württemberg und eine vom Chorverband evangelische Kirche in Deutschland.

Pfarrer Polney aus Thüringen richtete die Grüße der beiden Partnergemeinden aus und lud den Chor zu einem Gegenbesuch ein. Die edelste Gabe Gottes sei nach Luther die Musica. Mit einer Erinnerungstasse für jedes Chormitglied und einer ordentlichen Portion Thüringer Rostbratwürste brachte der Pfarrer die Partnergemeinden in Erinnerung.

Im Schlusswort zog Ortspfarrer Götschke einen Vergleich mit der Verwandlung eines Engerlings zum Maikäfer, der vom Dunkel ins Licht vorstößt. Ebenso singe der Chor von einer neuen Welt, in der es Licht und Liebe gebe. Zur Erinnerung verteilte er Schoko-Maikäfer. Der Chor lud die Gäste zum Snack mit schwäbischen Weckle und Thüringer Rostbratwürsten mit der "Schwäb’schen Eisenbahn" ein.