Aichhalden

Innovations-Strategie von Indus greift

von Von Johannes Fritsche

Mit Innovationen und Spezialmaschinen für die Produktion geht die Firmengruppe Simon in das neue Jahr.

Aichhalden. Betek und die Schwesterfirma Sitek der Firmengruppe Simon haben ein Innovationsprojekt gestartet, das von der Mutter Indus Holding AG gefördert wird. Das Ziel sind Hartmetall-Werkzeuge mit besonderen Eigenschaften, wie sie zum Beispiel in Minen eingesetzt werden, um Stollen ins Gestein zu treiben: "Viel härter als Edelstahl, aber kostengünstiger als Werkzeuge, die komplett aus Spezialhartmetallen bestehen", erläutert Tobias Hilgert von der Geschäftsführung der Karl Simon GmbH & Co. KG.

Herzstück des Projekts ist eine neue PTA-Anlage ("Plasma-Pulver-Auftragsschweißen"). Mit diesem thermischen Verfahren werden Hartstoffbeschichtungen ergänzend zu gelötetem Hartmetall erzeugt. Die dabei entstehende Panzerung schützt die Betek-Hartmetall-Werkzeuge zusätzlich vor Verschleiß und Korrosion. Betek will eigene Rezepturen für Panzerungen mit verschiedenen Eigenschaften aus unterschiedlichen Werkstoffen selbst entwickeln und sich in diesem Verfahren Know-How erarbeiten. Die Ergebnisse werden für interessante Neuprojekte und innovative Produktideen eingesetzt: "Die so beschichteten Werkzeuge sind zwar teurer als reine Edelstahl-Werkzeuge, aber günstiger als reine Hartmetall-Werkzeuge und liegen in der Standzeit zwischen Hartmetall und Edelstahl", versichert Hilgert.

Kunststoff-Spikes

Bis ins Jahr 2000 wurden bei Sitek Kunststoffe für die Herstellung von Spikes eingesetzt. Dann setzte sich Aluminium als kostengünstiger Hülsenwerkstoff für die Ummantelung durch. Die Vorteile der "Polymerwerkstoffe" seien aber immer noch aktuell: "Durch neue technische Entwicklungen im Bereich der Werkstoffe und der Anlagentechnik erscheint es nun möglich, neue alternative Kunststoffe einsetzen zu können", erklärt Hilgert.

Dafür wurde bei Sitek ein ebenfalls von der Indus Holding AG gefördertes Innovationsprojekt ins Leben gerufen: Neue Werkstoffe werden erprobt, sowohl für die Spikes-Hülsen wie auch für die Verschleißstifte, etwa um Gewicht einzusparen, Material- und Produktionskosten zu reduzieren und weitere Vorteile zu erzielen, zum Beispiel optimierte Verschleißeigenschaften.

Beide Projekte sind eingebettet in die Innovations-Strategie der Indus Holding AG, die der Indus-Vorstand auf der Hauptversammlung im Mai 2017 in Köln den Aktionären unterbreitet hatte. "Mit einem Beratungs- und Begleitangebot vermitteln wir Wissen und Methoden, wie man Innovationen erzeugt", hatte Technologie-Vorstand Johannes Schmidt in Köln erklärt.

Neue Technik

Ein Top-Innovator braucht auch Top-Technik. Für den Bereich Forschung & Entwicklung hat die Betek Hartmetall-Entwicklung in eine "Technikums-HIP-Anlage" zum Sintern und Nachverdichten von Hartmetallteilen investiert ("HIP" ist eine Abkürzung für "Heißisostatisches Pressen"). "Die neue Anlage wird vor allem für die Entwicklung neuer Hartmetallwerkstoffe, die Erprobung neuer Rezepturen und die Herstellung kleiner Vor- und Testserien eingesetzt", erläutert Hilgert.

Und im Bereich Sintertechnik hat die Simon Sintertechnik in eine neue "Bandofenanlage" investiert. Der Ofen übernimmt die Hauptsinterprozesse des alten Ofens. Die Simon-Kunden wurden bereits im Oktober über die neue Anlage und ihre Möglichkeiten informiert. "Durch die realisierten innovativen Ofen-Steuerungskonzepte werden wir auf eine neue Stufe der Produktionseffizienz vordringen", erwartet Hilgert.

Schulungsmaßnahmen

Im Februar 2018 wird eine Spezialschulung zum Thema Innovationsprozesse bei der Firmengruppe Simon stattfinden. Nicht nur Mitarbeiter von Simon, sondern auch von anderen Indus-Beteiligungsgesellschaften werden teilnehmen.

Organisiert wird die Schulung in Kooperation mit einem renommierten Lehrstuhl einer Universität und der Indus Holding AG. "Das Vermitteln der richtigen Innovationsmethodik an die Mitarbeiter ist essentiell für den Erfolg unserer neuen Produkte von morgen", erklärt Technik-Geschäftsführer Hilgert.