Aichhalden

Ein Kraftakt, der aber zu stemmen ist

von Lothar Herzog

Die Spaten haben in die Erde gestochen, nun kann der 4,9 Millionen Euro teure Neubau einer Dreifeld-Sporthalle an die Josef-Merz-Halle in die Vollen gehen. An der Fertigstellung bis September 2020 wird festgehalten.

Aichhalden. Vor zahlreichen Bürgern, Gemeinderäten, Verwaltungsmitarbeitern, Vereinsvorständen und Planern klopfte sich Bürgermeister Michael Lehrer ein wenig selbst auf die Schulter. Mit der Aussage im Wahlkampf zum Spatenstich, dass dieser vor dem Jubiläumsfest des AB Aichhalden möglich sei, habe er eine Punktlandung hingelegt.

Das Konzept für die Halle stamme aus dem Jahr 2006. Für den dritten Baustein, eine reine Sporthalle, habe aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise das Geld gefehlt. Projekte wie die Sanierung der Kläranlage, Ortskernsanierung und Neubau der Ortsverwaltung in Rötenberg seien in den Fokus gerückt. Trotzdem sei die Sporthalle nie von der Agenda verschwunden. Im Sommer 2017 sei sie dann wieder auf Platz eins gesetzt worden. Es habe mehrere Gespräche mit den Planern und Nutzerworkshops gegeben.

Mit der Realisierung der Halle werde die sportliche Infrastruktur in der Gemeinde deutlich gestärkt. Dies werde allerdings nicht überall so gesehen, räumte Lehrer ein. Es werde oft die Frage gestellt, ob eine Kommune mit 4200 Einwohnern eine solche dritte Sporthalle brauche. Nun, ein Platzproblem der sporttreibenden Vereine sei schon länger vorhanden und die Hallenkapazitäten erschöpft. Oft würden die Räumlichkeiten doppelt belegt, die Bühne zusätzlich genutzt und dadurch seien Kollisionen unvermeidbar. Es bestehe Bedarf für kleinere Veranstaltungen wie Vorträge, Kleinkunst und Lesungen. Deshalb nutze der Neubau auch den kulturtreibenden Vereinen. Auch beim Kinderhaus seien übergeordnete Behörden nicht begeistert gewesen, weshalb es nur spärliche Zuschüsse gegeben habe. Die Gemeinde habe es trotzdem gebaut und heute sei das Kinderhaus voll belegt.

Die Finanzierung der Halle von 4,9 Millionen Euro (netto 4,2 Millionen Euro) stelle für die Gemeinde einen Kraftakt dar, sei aber zu stemmen. Eine Sportstättenförderung in Höhe von 420 000 Euro mache dies etwas leichter, bedankte sich der Bürgermeister beim Zuschussgeber und allen Beteiligten.

Landrat Wolf-Rüdiger Michel sagte, mit dem Hallen-Neubau gehe ein lang bestehender Wunsch der Gemeinde und der Vereine in Erfüllung. Aichhalden sei bekannt dafür, seit rund 50 Jahren bei Zuschüssen für Bauprojekte unbegrenzt aufnahmefähig zu sein. In Stuttgart genieße die Gemeinde einen guten Ruf, dass wohlüberlegt geplant und nur solche Projekte umgesetzt würden, die auch finanzierbar seien. Außerdem wisse man in der Landeshauptstadt, dass das Geld in Aichhalden gut verbaut und dort hart gearbeitet werde. Er beschäftige sich mit dem Gedanken, ob er einen Bürgermeister, der der Wahrsagerei huldige, als Auslagenersatz für den Neubau des Landratsamts Rottweil mieten könne, ulkte der Landrat.

Thorismuth Gaiser, Geschäftsführer der Architektengruppe Riehle und Assoziierte, erinnerte an das vor vielen Jahren aufgestellte Grundkonzept mit Sanierung und Erweiterung der Josef-Merz-Hall. Nun folge sozusagen der Schlussstein. Eine Dreifeld-Sporthalle mit 47 Metern Länge und 39 Metern Breite ohne Umkleide- und Sanitärräume stelle kein alltägliches Projekt dar.

Derzeit seien im Baugewerbe deutliche Preissteigerungen zu verzeichnen. Da aber bis jetzt schon über 65 Prozent der Gewerke vergeben seien, habe man eine hohe Kostensicherheit. Er sei guter Hoffnung, dass man sich an gleicher Stelle noch vor Weihnachten zum Richtfest wiedersehe, stellte der Architekt in Aussicht.