Abschuss von Wölfen

Bauern gegen Naturschützer?

von (dpa/lsw)

Stuttgart - Der von der Bundesregierung geplante vereinfachte Abschuss von Wölfen ist für den Landesbauernverband (LBV) ein Schritt in die richtige Richtung. Ähnlich äußerte sich der Schafzuchtverband im Südwesten, er wünschte sich außerdem mehr Tempo bei der Umsetzung. Kritik kam vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der Gesetzentwurf des Bundeskabinetts sieht vor, dass ein Abschuss der streng geschützten Wölfe auch dann möglich sein soll, wenn unklar ist, welches Tier genau zum Beispiel die Schafherde angegriffen hat. Es können demnach so lange Wölfe in der Gegend geschossen werden, bis es keine Attacken mehr gibt - auch wenn dafür ein ganzes Rudel getötet wird. Die Behörden der Länder müssen aber jeden Abschuss wieder einzeln genehmigen.

Eine genaue Zuordnung welcher Wolf gerissen hat, ist ohnehin kaum möglich, sagte Heiner Klett, beim LBV zuständig für das Agrarrecht. Viel wichtiger sei für ihn aber die Frage des Vollzugs. Hier sei man auch mit dem neuen Entwurf noch weit von einer Regelung entfernt, die den Bestand kontrollieren könne.

Seit der Jahrtausendwende breiten sich Wölfe in Deutschland aus

Der BUND sieht die Gefahr, dass unschuldige Wölfe getötet werden. Das Hauptproblem liegt für den Verband aber woanders: Besonders geschützte Tiere sollen laut dem Gesetzentwurf nur noch "ernste" Schäden verursachen müssen, damit man sich gegen sie wehren darf, vorher war von "erheblichen" Schäden die Rede. Das betrifft aber nicht nur den Wolf, sondern auch andere geschützte Tierarten.

Das Problem mit dem Wolf sollte sich nicht auf die anderen Arten auswirken, sagte BUND-Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch. Eine spezielle Ausnahme nur für den Wolf wäre für den BUND noch eher annehmbar. So werde das Naturschutzgesetz im Allgemeinen zu Ungunsten der Tiere verschoben, sagte Pilarsky-Grosch.

Heiner Klett vom LBV sagte, dass es nicht darum gehe, alle Tiere abzuschießen, sondern einen adäquaten Schutz für die Landwirtschaft zu schaffen. Auch besonders geschützte Tierarten wie Saatkrähen oder Graugänse könnten große Schäden anrichten. Deshalb mache es Sinn, die Hürden etwas zu senken.

Seit der Jahrtausendwende breiten sich Wölfe in Deutschland aus, nachdem sie lange ausgerottet waren. 2017/2018 ergab das Monitoring der Behörden 75 Rudel, 30 Paare und drei Einzeltiere. In Baden-Württemberg ist lediglich ein sesshafter Wolf im Nordschwarzwald nachgewiesen. Vor einem Jahr machte der Rüde mit dem offiziellen Kürzel "GW 852m» Schlagzeilen, weil er für den Tod von mehr als 40 Schafen bei Bad Wildbad (Kreis Calw) verantwortlich war.